Ein Ort am Wasser

Geschrieben am 6.10.2011

Ich stand das erste Mal an dieser einen Stelle am Wasser und erkannte auf den ersten Blick nur den Müll, den Andere hier gelassen hatten oder der mit der Strömung angespült wurde. Das Einzige, was zu Beginn erholsam war, der Blick auf die Wellen, wie Sie kommen und gleichzeitig wieder gehen. Traurigkeit über Gedankenlosigkeit machte sich breit, wurde aber von der Strömung mitgenommen, vom Wind weggeblasen, von der Sonne vertrieben oder vom Regen weg gespült. Mit der Zeit schärfte sich mein Blick, das Grün der Bäume, des Schilfs und selbst der Algen trat hervor; die Ufersteine, erst nur grau, begannen in den schönsten Regenbogenfarben zu schimmern, bekamen mehr Bedeutung. Bei der ersten Wiederkehr hatte dieser Ort bereits so etwas wie Geborgenheit für mich. Die Gänse, Schwäne, Enten, Möwen flogen, glitten, schwammen daher und gaben von Ihrem Augenblicksbewußtsein mir einen Teil ab, ohne dass Ihnen etwas fehlte. Sie nahmen mich mit, hoch in die Luft, auf das Wasser und auch mit hinein. Ich konnte mit Ihnen meine Sorgen soweit teilen, bis die Zurückbleibenden fast federleicht waren.

Egal wann ich an diesen Ort zurückkehrte, es gab stets Neues zu entdecken. Trauiges, Schönes, Berührendes, Erheiterndes. Kein Tag verging ohne ein Lächeln oder Lachen. Lagen erst nur tote Seesterne am Ufer herum, die Ich wieder ins Wasser warf, konnte ich später die Lebendigen auf dem Grund erkennen. Einige Meter weiter liefen Krebse über den Grund des Hafenbeckens, kämpften mitunter gegeneinander, schauten mich an und versteckten sich vor mir. Kleine Fische schwommen langsam daher; und nicht nur die, Meereschen, welche die Algen von untergegangenen Steinen knabberten, ein leider toter Hecht der über Tage am selben Ort lag, aber auch einst hier lebte, Forellen, die man nicht sieht, sondern nur durch ihre Sprünge hörte, selbst die Quallen gleiten blaß-blau und hübsch durchs Meer. Auch den Eisvogel konnte ich von dort mehrmals sehen, schön und berührend, nicht nur wegen seiner Seltenheit, sondern weil er tatsächlich dunkelblau-metallisch in der Sonne glänzt; und weil er heute für mich flog.

Jedes Mal wenn ich von diesem Ort zurückkehrte, waren die Sorgen weiter fort und die Zukunft zwar nicht bedeutungslos, aber bunter. Die Schönheit des Moments überwiegt und ich kann für immer gestärkt zurückkehren.

Es gibt viel Schönes an jedem Ort
Du musst nur länger schauen - dann siehst Du es auch!

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©2011 Stefan Blumenrath