Heiligabend, Vormittags, dass ist der Zeitpunkt, wo der Mensch im Allgemeinen alle Weihnachtsvorbereitungen erfolgreich hinter sich gebracht hat, die Füße hoch legt, die Katze krault und sich auf schöne Weihnachten freut.
Wir sind da schon ein bisschen anders: Einige Sachen müssen halt in den wenigen Stunden die zwischen aufstehen, wenn es geht nie vor zehn, besser elf Uhr, und Abendessen mit anschließender Bescherung von zwei Kindern erledigt werden. Frühstück und Weihnachtsbraten besorgen zum Beispiel, und dann noch diverse Vorbereitungen die sich jeder selbst ausmalen kann.
Ich kam also gegen zehn vor zwölf vom Gang in die Stadt zurück und meine Liebste erwartete mich, allerdings nicht hungrig sondern aufgelöst! Chili kam fünfzehn Minuten vor mir jämmerlich mauzend mit dicker, blutiger Pfote zur Katzenklappe herein,eine eigene Untersuchung durch meine Liebste war fast nicht möglich, es zeigte sich dann aber doch, mal wieder, eine behandlungsbedürftige Verletzung! Ein Telefonat mit dem Tierarzt ergab, dass dieser noch bis zwölf Uhr in der Praxis sei … Das Auto war eingeschneit, die Straßen glatt, und die Taxizentrale überlastet, besetzt, gar kein Signal, wieder besetzt - und die ganze Zeit dieses jammernde arme Katzentier - dann kam meine Liebste durch
und es wurde versprochen, dass ein Taxifahrer schnellstmöglich da wäre, aber wann das wäre, das stand in der Luft. Als ich dann nach Hause kam, telefonierte meine Liebste wieder mit dem Tierarzt, der meinte, dass er bis fünf nach
zwölf warten würde, weil er auch noch außerhäusige Notfälle hätte und
dann los müsste. Das Taxi kam dann immer noch nicht, aber dafür die
rettende Idee: Chili kommt auf den Schlitten (zwanzig Minuten zu Fuß)
Also Transportkiste mit Katz auf den Schlitten gespannt, Decke drinnen,
zweite Decke drüber und im Schweinsgalopp zur Praxis. Ich blieb bei den
Kindern zu Hause, rief den Arzt an und sagte, dass Chili mit Schlitten auf
dem Weg sei Trotz der für uns dramatischen Situation gab es Gelächter und die
feste Zusage, dass er warten würde. Ich versuchte dann noch, die
Taxizentrale zu erreichen, das gelang mir allerdings nicht: Besetzt,
kein Signal und als endlich einmal ein Freizeichen ertönte, ging niemand ran. Fünfzehn
Minuten später kam der Taxifahrer, dieser bekam von mir eine Entschuldigung und fünf Euro für die ausgefallene Fahrt. Er war erstaunt, denn in den letzten (stark verschneiten) Wochen haben wohl viele Leute spontan Fahrten ausfallen lassen, aber keiner hatte sich dafür entschuldigt oder versucht, den Wagen abzubestellen.
Gegen eins kam dann Chili mit dem Schlitten zurück: Die zweite Kralle nach genau einem Monat hat sich verabschiedet - Freigänger halt. Aber sonst ist alles wieder gut und wir konnten endlich Frühstücken. Einen Tag später ist Chili auch wieder recht glücklich und kann sich an ihrem Teil des Festtagsbratens laben.
Es hätte schlimmer werden können.
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©2011 Stefan Blumenrath