Eines Abends ging, klapperdiklapp, die Katzenklappe. Herein kam Chili und brachte ihren Dosenöffnern nochmal ein wenig Lebendfutter in Form einer kleinen Maus mit nach Hause. Wie es sich gehört, ist sie damit an beziehungsweise unter den Küchentisch gegangen. Ich habe ihr dann Gesellschaft geleistet und versucht, die Beute zu übernehmen. Die Maus ist dann von Chili aus dem Katzenmaul frei gelassen worden und zwischen Tischbein und Wand geflüchtet. Dort hat sie sich umgedreht und wie Rocky Balboa die Fäuste in Richtung der Katze geschwungen. Dann hat die Maus sich umgedreht und anstatt sich von mir fangen und dann in den Garten bringen zu lassen, hat sie die Beinöffnung meiner Hose als Mauseloch fehl-identifiziert. Das hat mich dann unter dem Tisch nach hinten vertrieben und mich aufspringen lassen. Chili schaute sich das Schauspiel interessiert an, ich hatte noch keine Gelegenheit, die Katze aus der Küche raus zu bitten. Als die Maus dann die Mitte meines Oberschenkels erreicht hatte, kam es zum Quieken meinerseits - auf Mäuse in der Hose steh' ich nicht wirklich. Also schnell die Hose zu Boden fallen lassen und zur Seite gehüpft, weg von dem Nager! Die Maus schaute verstört, warum es so plötzlich wieder so hell wurde. Offensichtlich fand sie das doof und dachte, es wäre eine gute Idee, die Küche zu verlassen. Chili dachte das auch, schnappte sich die Maus und ging wieder mit ihr raus - Pech für die Maus!
Am nächsten Morgen wurde ich dann durch einen wirklich
gellenden Schrei der in jedem Hitchcock eine gute Figur gemacht hätte,
ausgestoßen von meiner Liebsten, geweckt; solche Geräusche habe ich,
wenn mich nicht alles täuscht, in den letzten siebzehn Jahren von ihr noch
nicht vernommen. Und warum? Nur weil unter ihrem nackten Fuß ein Mäusemagen zerplatzte.
Ob der Magen zur Maus des Vorabends gehörte, ließ sich nicht mehr
zweifelsfrei überprüfen.
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©2011 Stefan Blumenrath